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Badwater

 

Heißer geht es nicht.

Die Vorbereitungen laufen - „Das Badwater Monatsbuch“.

 

Jetzt ist es endlich soweit: Badwater 2012 - Heißer geht es nicht.

 

März 2012:

Nach meinen Anmeldeversuchen in den vergangenen Jahren habe ich es für 2012 endlich geschafft: „Congratulations“ - hieß in der Teilnahmebestätigung. Die Voraussetzungen für eine Teilnahme und Qualifikation haben sich in den vergangenen Jahren von Jahr zu Jahr immer weiter verschärft. Während vor wenigen Jahren noch ein 100 Meiler für die Qualifikation ausgereicht hätte, so sind es heute schon drei, die man gelaufen sein muss. Und einen davon im vorherigen Jahr. Während früher noch erst nach 60 Stunden Zielschluss war, sind es heute nur noch 48 Stunden, die man für den Lauf maximal benötigen darf. Aber nichts für ungut. Jetzt habe ich das Startgeld überwiesen und die Vorbereitungen können beginnen.

Worum geht es eigentlich? Was ist „Badwater“?

 

Beim „Badwater Ultramarathon“ handelt es sich um einen Langstreckenlauf  über eine Distanz von 135 Meilen (217,26km) vom tiefsten Punkt der USA  im Badwater Basin im Death Valley mit 85,5 Meter unter dem Meeresspiegel zum Whitney Portal im Mount Whitney auf 2530m Höhe. Insgesamt müssen mehr als 4000m Höhendifferenz überwunden werden.

 

Das Rennen findet wie jedes Jahr auch in diesem Jahr im Juli statt, wo regelmäßig Temperaturen von über 50 Grad gemessen werden.

Ich bin noch ein wenig hin und her gerissen: Zwischen Euphorie und dem totalen Wahnsinn. Was hat mich bloß dazu gebracht, mich anzumelden und dann auch noch Ende Februar das Startgeld zu überweisen. Es war mal wieder einer dieser langen Arbeitsnächte im verlassenen Langenfeld, die mich überzeugt haben, dass es auch noch etwas anderes gibt als Arbeit. Stunde um Stunde. Tag um Tag. Seit Wochen versuche ich mich dazu durchzuringen, mal wieder einen großen internationalen Wettkampf zu bestreiten. Einen, bei dem auch noch nicht so viele mitgemacht haben. Aber wie soll ich das schaffen? Bei einem Arbeitspensum zwischen 60 und 70 Stunden die Woche auch 10 Stunden unter der Woche und bis zu 16 Stunden am Samstag und Sonntag zu trainieren? Und dann ist da auch noch die Sache mit der Wohnung.

Meine Freundin und ich haben uns gerade eine Eigentumswohnung gekauft. Wir müssen nach Parkett schauen, vermessen, Arbeitspläne erstellen, Gewerke organisieren, Möbel aussuchen und bestellen, Tapeten abreißen und neue wieder rauf. Maler. Küche neu. Ein Badezimmer zum Ankleideraum umfunktionieren. Türklinken austauschen. Schiebetür zwischen Wohnzimmer und Arbeitszimmer einbauen. Baumärkte durchforsten. Usw.

 

Und das auch noch für die alte Eigentumswohnung von Silke, die wir ja auch noch loswerden wollen.

Wenn ich das hier so schreibe, habe ich mir darüber schon viel mehr Gedanken gemacht als über den Ultralauf. Vielleicht ist das auch ganz gut so. Aber vielleicht auch nicht. Mir läuft die Zeit weg. Im wahrsten Sinne Wortes. Die Zeit ist mir schon weit voraus. Zwar habe ich 2011 ein erfolgreiches Trainingsjahr mit

über 5000km Laufstrecke, knapp 70km Schwimmstrecke und über 300km Trailbiken in fast 700 Stunden zurückgelegt und dabei 700000 Kalorien verbraucht. Aber das heißt nicht, dass ich mich darauf ausruhen kann. Ganz im Gegenteil eigentlich müsste ich umgehend nahtlos daran anknüpfen und weitermachen.

Nur leider waren der Januar und Februar wegen der vielen Arbeit und Gedanken sportlich nicht gerade produktiv. Aber mit der Anmeldung habe ich neuen Mut geschöpft. Neue Motivation, dass es auch noch etwas anders gibt.

Ich habe das ausführlich mit meiner Lebensgefährtin Silke besprochen,, dass die nächsten Monate doch recht einseitig verlaufen werden und mich an den Wochenende im wesentlichen den langen Trainingseinheiten widmen müsste. Aber großartig, wie sie ist,  unterstützt sie mich dabei so gut es geht und wird mich sogar bei meinen langen Läufen supporten. Toll. Ohne sie würde ich es auch nicht schaffen. Und wenn ich schon mal dabei bin, möchte ich auch meine Eltern (Renate und Jonny), meiner Schwester Angela, meinem Schwager Nobby und meinem Freund Tilly für die Unterstützung danken. Ohne sie wäre so ein Rennen auch nicht möglich. Dazu aber später mehr.

So. Wo war ich stehengeblieben? Vor der Wohnung war das Arbeitspensum. Ach ja. Also das Arbeitspensum müsste erst einmal runtergeschraubt werden. Das wird mir nicht einfach fallen. „Halfen“ ist ein großartiger Kunde mit einem interessanten Projekt. Tolle Kollegen und auch mein Arbeitgeber „HSO SW GmbH“  motivieren immer wieder auf ein neues. Aber auf lange Zeit halte ich das Pensum aber eh nicht durch. Also weniger Arbeit bzw. Arbeit besser organisieren :-) und dafür die Abendstunden nicht im Hotelzimmer sondern in den Laufschuhen verbringen. Die Tage werden jetzt auch wieder länger, so dass ich doch immer mehr in den Genuss kommen werde, auch noch abends ein paar Trainingsminuten bei Tageslicht zu absolvieren. Ich freue mich schon drauf.

Die erste 50km Trainingseinheit habe ich schon hinter mir. Die nächsten Einheiten mit 60km bis 100km folgen. Ein Vorbereitungswettkampf Ende April findet auch noch statt: 200km Hexenstieg im Harz. Das wird die Generalprobe werden.

 

April 2012:

Der April war ziemlich aufregend. Wir haben endlich die Wohnung übernommen und die ersten Renovierungsarbeiten begonnen. Das Ziel innerhalb einer Woche in die Wohnung zu ziehen und Ostern mit den Arbeiten fertig zu sein hat leider nicht geklappt. Wie sich herausstellen sollte, waren wir sogar noch acht Wochen später bei den Renovierungsarbeiten. Aber das hatte auch etwas gutes für sich: Ich konnte die viele Zeit am Wochenende auch für die langen Trainingseinheiten und für die Vorbereitung der 210 km durch den Harz nutzen, wie beispielsweise mein 112km Lauf von Hamburg nach Kiel. Ende April war es dann soweit 210km Harzdurchquerung von West nach Ost und wieder von Ost nach West.

                                                 

Nach knapp unter 41 Stunden bin ich dann erfolgreich im Ziel angekommen. Eigentlich eine perfekte Generalprobe für Badwater. Hier habe ich für 217km 48 Stunden Zeit. Nur sind die Bedingungen wesentlich härter. Aber dafür muss ich dann auch kein Rucksack schleppen. Alles hat Vor– und Nachteile. Auf jeden Fall bin ich dankbar, dass meine Eltern mit supportet und mich mental unterstützt haben. Das konnte ich gut gebrauchen. Ich kann mir vorstellen, dass ich in den USA das auch gut gebrauchen kann.

 

 

Mai 2012:

Die ersten Reisevorbereitungen sind getroffen:

 

 

Aber das ist ja längst noch nicht alles. Angela hat schon einen exzellenten Reiseplan ausgearbeitet. Sie spricht zwar von einem ersten Entwurf. Aber ich finde das schon ziemlich generalstabsmäßig vorbereitet. Echt genial:

Hier schon mal der erste „Entwurf“ :-):

 

Wir bekommen auf jeden Fall so eine Menge zu sehen. Echt genial. Ich freue mich schon drauf.

Tilly hat einen Wunsch: Eine Harley Davidson ausleihen und damit einen Tag über die Straßen Amerikas zu cruisen. Das bekommen wir bestimmt auch noch hin.

Immer mehr Geld geht für die Wohnung drauf. Die Reserven werden immer knapper und die Reisekasse für Badwater schrumpft. Also der Schlafzimmerschrank und die Küche müssen auf jeden Fall erst einmal daran glauben. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was so Kleinigkeiten in der Wohnung so kosten: Silke und ich waren bei Eldis, einem Elektronikgeschäft, um uns nach Blenden für Lichtschalter und Steckdosen zu informieren. Nach Rabatten und Skonto haben wir sage und schreibe 12,50 EUR für einen Lichtschalter und eine Steckdose bezahlt. Ich möchte nicht wissen, wie teuer die Ausrüstung der gesamten Wohnung wird. Wahnsinn. Sieht aber super aus.

Ende Mai hatte ich dann noch drei weitere Länder in Europa besucht und dieses auch gleich mit einer längeren Trainingseinheit verbunden: Baku (Aserbaidschan), Tbilisi (Georgien) und Yerevan (Armenien). Man glaubt es nicht. Aber auch diese Länder gehören zu Europa. Also drei Länder. Drei Hauptstädte. Drei Marathons an drei Tagen. Und wieder bin ich meinem Ziel alle Hauptstädte Europas mit einem Marathon belaufen zu sein, näher gekommen. Stand heute fehlen wir dann von den 48 Ländern nur noch Estland und Großbritannien. Tallinn werde ich im September 2012 belaufen und London im kommenden Jahr im April. Ich hoffe, das klappt alles.

Also Kaukasus Reise war genial. Ich hätte nicht gedacht, dass die Städte dort so weit entwickelt sind.

Zur Reise. Am Samstag, 26.05.2012, um 18:00 Uhr nach Baku geflogen. Mit Zeitverschiebung um 5:00 Uhr morgens in Baku gelandet. Dann ab mit dem Bus in die Innenstadt. Dann Marathon in Baku. Gegen Mittag dann fertig und dann noch ein bisschen Sightseeing gemacht. Um 20:45 den Nachtzug von Baku nach Tbilisi genommen. In Tbilisi bin ich dann am nächsten Tag um 12:00 Uhr angekommen und wollte mich gleich nach dem Nachtzug von Tbilisi nach Yerevan erkundigen. Ich musste dann feststellen, dass der Zug nur alle zwei Tage fährt. Jetzt wusste ich was der merkwürdig übersetzte Hinweise bedeuten sollte. Stellte sich dann die Frage, wie ich denn nach Yerevan komme. Entweder hetze ich mich ab und nehme den Bus um 17:00 Uhr oder ich nächtige und nehme am nächsten Tag den Bus um 11:00 Uhr. Dafür würde dann der Tag in Yerevan ein wenig stressiger werden. Ich habe mich trotzdem für die zweite Variante entschieden und bin in Tbilisi geblieben, was sich im Nachgang für die richtige Entscheidung herausstellte. Tbilisi war echt schön und die Zeit dafür zu investieren hat sic voll gelohnt. Auf dem Weg durch Tbilisi habe ich mir dann eine Jugendherberge gesucht, in der ich dann die Nacht verbracht habe. Super: Ein 6er Zimmer für mich alleine. Echt klasse. Am nächsten Tag habe ich mich dann auf dem Weg zum Bus gemacht, der planmäßig um 11 Uhr abfahren sollte. Da dieser aber erst losfährt, wenn er voll ist, durfte ich dann noch 2 Stunden bis zur nächsten Abfahrt länger warten. Um 13 Uhr ging es dann aber endlich los. 6 Stunden hat der Bus gebraucht und das für nur 300km. Irre. In Yerevan angekommen habe ich mich gleich auf die Marathonstrecke gemacht. 6 Stunden habe ich benötigt. Da hat sich die Unterkunft dann auch nicht mehr gelohnt und bin dann direkt mit dem Taxi zum Flughafen gefahren. In die Flieger gestiegen und wieder ab nach Hamburg. 3 Tage Kaukasus. 3 Länder. 3 Hauptstädte. Drei Marathons. Das Motto: Kein Stress.

 

Juni 2012:

Heute habe wieder eine Mail von der Badwater Organisation erhalten. Es geht um die Beschilderung der Supportfahrzeuge. Nein nicht, dass die Anmeldegebühren schon 1000 USD betragen und man dafür auch noch das Wasser selber kaufen muss. Nein, man bekommt noch nicht einmal die Schilder für das Fahrzeug. Die muss man auch noch selbst machen. Oh Mann ….

Die Zeit der Abreise naht. Am letzten Juni Wochenende habe ich den letzten Streckenabschnitte meines 200km Elbelaufes von Lauenburg nach Friedrichskoog Spitze hinter mich gebracht. Nach 70km von Lauenburg nach Hamburg (Messberg) und 30km von Hamburg (Messberg) nach Wedel kam nun zur Trainingszwecken der Abschnitt von Wedel nach Friedrichskoog Spitze mit 100km dazu. Die letzte Trainingseinheit habe ich wirklich noch gebraucht. Nachdem ich vier Wochen so gut wíe gar nichts gemacht habe und ich mir die Trainingspläne und Trainingsvorbereitungen der anderen Teilnehmer angeschaut habe, habe ich meine Internetseite von „Extremsport“ in „Extremsport und Funsport“ umgetauft. Das trifft die Sache deutlich besser.

 

Juli 2012:

Heute am letzten Tag vor der Abreise (02.07.2012) habe ich das einzige und wohl auch das letzte Hitzetraining hinter mich gebracht. Nein, ich war nicht in der Sauna oder in klimatisch vergleichbaren Regionen, um zu trainieren. Ich habe mir vielmehr meinen Yukon Arctic Ultra Anzug, der bei –50° Grad Celsius vor dem Erfrieren schützt, angezogen und habe damit eine kleine Runde gedreht. Eines weiß ich jetzt unter –50° Grad ist man nicht mehr überlebensfähig mehr in dem Anzug aber bei über 50° Grad Celsius geht aber auch nicht mehr. Ich war froh als ich das Ding schweißdurchtränkt mir von meiner klatschnassen Haut herunterstreifen konnte.

                                                  

Ich habe jetzt beschlossen, mich jetzt nicht weiter wild zu machen und Versuche das beste draus zu machen. Ankommen heißt, das Ziel. Eine Strategie, werde ich mir noch zu recht legen, wenn die Reise erst einmal begonnen hat. Auch hier hinke ich wohl einigen Teilnehmern hinterher. Kein Stress.

 

3. Juli 2012:

Die Anreise gestern (also Dienstag) nach Offenbach hat wunderbar geklappt. Nach knapp 5 Stunden mit einer längeren Verpflegungspause kurz vor dem Kirchheimer Kreuz sind wir bei Heiko, Leila und Noah gegen 22:30 Uhr in Offenbach angekommen. Auch Tilly war schon da. Wie nicht anders zu erwarten mit einem Bier in der Hand. Wir waren ziemlich müde. Lange haben wir es aber nicht ausgehalten. Um halb zwölf lagen wir dann schon im Bett bzw. auf dem Boden.

 

4. Juli 2012:

Heute sind wir dann früh raus. Um sechs klingelte schon bei den meisten der Wecker. Und wer nicht schon vorher wach war, ist dann von Noah geweckt worden. Kurz gefrühstückt und dann ging es ab zum Flughafen. Heiko hat Tilly mitgenommen und Silke uns drei. Wir waren rechtzeitig da. Das was am längsten gedauert hat, war meine Verabschiedung von Silke und die Telefonate von Angela und Norbert.

Wir waren dann um 8:00 Uhr am Check In. Haben die Sicherheitsfragen beantwortet und die Koffer aufgegeben und haben uns dann auf den Weg Richtung Passkontrolle aufgemacht. Das hat nicht länger als 15 min gedauert. Danach ging es dann durch die Sicherheitskontrolle und dann direkt zum Gate von US Airways. Verlief alles reibungslos. Pünktlich um 11:00 Uhr startete unser Flieger US0701 Richtung Philadelphia. Das Essen an Bord war sensationell. Etwas Besseres hatten wir in der Stunde davor nicht gehabt. Die Zeit während des Fluges haben wir uns weniger mit Unterhaltung vertrieben. Vielmehr haben wir uns in das umfangreiche Videoprogramm gestützt. Ich glaube jeder von uns hat sich drei Filme angeschaut. Am Ende des Fluges gab es dann noch ein Sandwich. Seit dem hungern Angela, Norbert und Tilly. (Ich hatte mir wenigstens noch zwei Brezel am Flughafen in Philadelphia gekauft.). Pünktlich gestartet. Pünktlich gelandet (14:00 Uhr Ortszeit). (Hinweis: Ab jetzt immer nur Ortszeit).

Dann ging es zur Passkontrolle. Herr Gott. Hat das gedauert. Obwohl wir nur fünf Passagiere vor uns hatten, hat es gefühlt Stunden gedauert. Wir mussten alle Finger scannen lassen und zusätzlich wurde dann auch noch ein Bild gemacht. Wahnsinn. Sehr positiv aber war, dass mir der Beamte bei der Passkontrolle auf wirkliche freundliche Art und Weise viel Glück bei meinem Badwater Event gewünscht hat. Ich musste ihm zuvor erklären, was ich denn eigentlich in den USA möchte, wie lange ich bleibe und ob ich denn schon mal hier war.

So, Passkontrolle okay. Alle vier haben die Einreise geschafft. Auch Tilly, der vorher noch sein Bart abgenommen hat. Hatte wohl doch Angst.

Dann mussten wir unser Gepäck entgegennehmen. Dann zum Zoll und dann schon wieder Gepäck abgeben und ab zum nächsten Gate. Das hat ungefähr eine Stunde gedauert. Aber vorher war wieder eine Sicherheitskontrolle. Aber nichts ungewöhnliches. Wenn man von einem Land in ein anderes einreist und dann einen Weiterflug hat, kommt man automatisch immer in eine neue Sicherheitskontrolle.

Pünktlich am Gate. Pünktlicher Start um (16:00 Uhr). Pünktliche Landung (19:30 Uhr). Der Flug von Philadelphia nach San Francisco hat genauso lange gedauert wie der von Frankfurt nach Philadelphia. Aber auch hier haben wir die Zeit sinnvoll genutzt: Geschlafen, Gelesen und ich habe zusätzlich die Zeit genutzt und mich weiter über Badwater informiert. Auf der einen Seite sage ich mir, hätte ich es bloß nicht getan. Ich mache mich dann nur unnötig verrückt. Was da nicht noch alles zu beachten ist und wie sich die Läufer auf den Wettkampf vorbereiten. Wäre ich doch lieber zu Hause geblieben. Auf der anderen Seite weiß ich jetzt aber auch, was ich noch alles einkaufen muss, um gut gerüstet an den Start zu gehen. Und das müssen wir, da auf dem Weg zwischen Start und Ziel nicht mehr viele Einkaufsmöglichkeiten gibt.

Nach 17 Stunden Reise waren wir dann um 18:30 Uhr Ortszeit (SFO) endlich an unserem ersten Ziel: San Francisco.

Koffer waren Gott sei Dank alle da und unbeschädigt. Koffer aufgenommen. Die Blaue Linie des Airtrain‘s gesucht und gefunden, der uns dann sicher zur Mietwagen Station (Car Rental Station) gebracht hat. Hier haben wir dann unseren fahrbaren Untersatz für die nächsten 17 Tagen entgegengenommen: Ein Kia Sedona mit sieben Plätzen. Aber nur leider mit vielen Kratzern und Beulen, die wir detailgenau angegeben haben. Sicher ist sicher. Herrlich groß der Wagen. Für Tilly und mich wäre das ja eine Suite im Gegensatz zu den bisherigen Fahrzeugen, in denen wir geschlafen haben.

Mit dem Auto ist sonst Gott sei Dank alles okay.

Navi installiert. San Francisco Zentrum als erstes Ziel eingegeben und Abmarsch. Besser gesagt: Abfahrt. Wir haben es zwar dann nicht mehr ganz rechtzeitig bis zum Feuerwerk geschafft. Heute ist ja der Nationalfeiertag in den USA. Aber wir konnten es dann doch aus der Nähe gegenüber vom Pier 3 im Stau genießen. Zu der Uhrzeit ging nichts mehr im Straßenverkehr. 100%iger Stillstand. Anschließend haben wir dann einen U Turn gemacht und sind zu unsere Motel gefahren. Und hier sind wir nun. 3 Nächte im „Motel 6 Oakland Airport“ in Oakland. Tilly und ich haben in einer nicht ganz so koschen Gegend versucht, einen Supermarkt ausfindig zu machen, den wir doch aber dann in der Nähe gefunden haben.

                                                      

 

5. Juli 2012:

Heute ging es dann zur ersten Besichtigungstour durch San Francisco. Aber vorher kamen die obligatorischen Trainingskilometer. Nun dachte ich, ich kann mich endlich an das warme Wetter gewöhnen und langsam beginnen, mich zu akklimatisieren. Aber ich bin weit davon entfernt. 17 Grad bei Sonnenschein. Aber gefühlt 13 Grad. Was soll‘s. Raus auf die Straße und los. Tilly hat mich wie die anderen Tage begleitet, so dass es wenigstens auf den breiten und tristen Betonstraßen nicht allzu langweilig wurde. Gegen 8:15 Uhr Aufbruch im Motel. Zuerst Verpflegungseinkauf im Supermarkt, dann weiter in die Innenstadt San Franciscos. Erstes Ziel: Golden Gate Bridge. Herrlich. Zwar standen wir eine Weile im Stau, doch der Ausblick und das imposante Bauwerk hat die viele Zeit auf mim Stau vergessen lassen. Die Brücke haben wir aus allen möglichen Perspektiven fotografisch erfasst.

Weitere Ziele folgten: Pier 39, Fishermens Warft, Pier 33, Waterfront, Fahrt mit dem Cable Car, Coit Tower, Telegraph Hill, North Beach, verschiedene Parks und Straßen.

Tilly und ich haben für den Freitag eine Segway Tour durch den Golden Gate Park gebucht und sind dann anschließend etwas essen gegangen.

Abends um 23:00 Uhr lagen wir dann im Bett.

 

6. Juli 2012:

Kein anderes Bild an diesem Morgen: Akklimatisierung an das heiße Klima? Fehlgeschlagen. Gefühlt ist es sogar noch kühler als am vorherigen Tag. Und vor allem nebliger. Wir waren froh, dass wir die Golden Gate Bridge am vorherigen Tag „abgehackt“ haben. Heute ging es wieder um 8:00 Uhr morgens los. Einkauf der Verpflegung im Supermarkt. Dem Bankautomaten wie bereits am Vortag Geld entzogen und dann wieder ab in die Innenstadt. Wieder Stau. Wie sollte es anders sein. Aber wir haben uns nicht entmutigen lassen und sind fröhlicher Dinge direkt zum Cable Car Museum in die Innenstadt gefahren. Das muss man gesehen haben.

Nach dem Cable Car Museum haben wir dann weitere Ziele angesteuert: Chinatown, Financial District, Market Street, Transamerica Pyramid, Golden Gate Park, wo Tilly und ich dann unsere Segway Tour gemacht haben, Pazifischer Ozean, Lincoln Park, Legion of Honor, Presidio, Alamo Park und Painted Ladies. Am Ende sind dann Angela und Norbert noch shoppen gegangen.

Abends gegen 23:30 Uhr lagen wir dann wieder im Bett.

 

7. Juli 2012:

Heute zeichnete sich kein andere Bild ab. Tilly und ich haben den Trainingslauf auf den Abend verschoben in der Hoffnung, dass das Wetter besser im Yosemite Park ist. Um 8:00 Uhr ging es dann los. Wieder Einkauf im Supermarkt, um sich für den Tag zu rüsten und um gestärkt die Reise in den Yosemite Park anzutreten. 300km lagen vor uns. Wir haben auf der Hälfte der Strecke eine kleine Tank– und Vertretungspause gemacht und sind dann gegen 13:00 Uhr in Groveland angekommen. In Groveland - kurz vor dem Nationalpark Yosemite - erkundigten wir uns noch nach freien Unterkünften, dass es nicht einfach werden würde ist uns klar gewesen, aber dass es so schwer wird, hätten wir allerdings auch nicht gedacht. Freundlicherweise waren die Mitarbeiter im Visitor Center mehr als freundlich und hilfsbereit und haben uns sehr bei der Unterkunftssuche unterstützt. Und siehe da, wir haben etwas gefunden. Zwar mit 229$+Tax nicht ganz günstig. Aber wir hatten etwas zum schlafen gefunden. Und zwar in einer kleinen Motelanlage in Buck Meadows ca. 30km vor dem Eingang zum Nationalpark. Wir habe auf dem Weg zum Nationalpark kurz eingecheckt sind dann aber auch gleich weitergefahren, um keine Zeit zu verlieren

      

Wir sind ca. 160km die Tioga Road bis zum Tioga Pass Entrance auf 3031m Höhe und dann wieder zurück. Auf dem Weg haben wir verschiedene Zwischenstopps eingelegt: Olmstedt Point, Tenaya Lake, Tuolumne und am Tioga Pass Entrance selbst.

Die Rückreise war wesentlich schneller, die dann in Groveland im Supermarkt endete, um sich für den Abend und für den kommenden Tag einzudecken. Auf dem Weg vom Supermarkt zum Motel, haben Angela und Norbert und auf der Straße abgesetzt. Jetzt kann ich endlich behaupten, dass das Hitzetraining beginnt. Aber langsam. Mittags waren es noch 34° Grad. Aber zum Abend hin hatte es sich schon deutlich abgekühlt. Geschätzt auf 25°. Aber immerhin. Die Akklimatisierung beginnt.

Um 22 lagen Angela, Norbert und Tilly im Bett und ich habe noch ein paar Gedanken mit meiner Maus Silke ausgetauscht. Um 23:00 Uhr ging dann auch bei mir das Licht aus.

      

 

8. Juli 2012:

Es wird langsam. Die Temperaturen steigen und die Akklimatisierung ist im vollen Gange. Noch fehlen 20 Grad. Aber die bekomme ich vorher auch noch einmal gespürt. Ich versuche noch vor der Ankunft in Las Vegas einen 10km durch die Mojave Wüste in Kalifornien zu machen. Mal sehen, ob wir das zeitlich hin bekommen.

Aber erst einmal zu heute: Heute Morgen ging es um 6:00 Uhr aus den Federn. Um sieben waren wir dann auf der Piste in den Yosemite Park, in dem wir uns jede Menge Dinge angeschaut und bewundert haben. Der Nationalpark zeichnet sich durch seinen hohen Freizeit- und Erholungswert aus. Jede Menge beindruckender Natur und Sportmöglichkeiten. Wirklich schön. Gegen 9:00 Uhr waren wir dann direkt im Park und haben uns auf dem Fußwege zum Mirror Lake gemacht und von dort aus zu den Yosemite Falls, an denen wir uns zeitlich am längsten aufgehalten haben. Der Tag war im nu vorbei und schon traten wir die Rückreise an, aber nicht bevor wir uns noch die Sequia Mammuth Trees angeschaut habe. Wirklich Wahnsinn die Bäume. Tilly und ich haben uns gleich überlegt, wie wir da wohl rauf kommen könnten. Aber stattdessen haben wir unseren diesmal 10km Trainingslauf noch im Nationalpark absolviert.

Gegen 22:00 Uhr waren ´wir im Hotel und eine Stunde später haben wir dann auch schon geschlafen.

 

9. Juli 2012:

Heute war mit Abstand der anstrengendste Tag der gesamten Reise. Wir sind fast 500km gefahren und saßen fast die gesamte Zeit im Auto. Aber sich die Bäume und die Natur anzuschauen und unter einem Wasserfall zu baden hat sich voll gelohnt.

                       

Heute morgen sind wir um 6 Uhr aufgestanden und haben uns um 7 Uhr auf den Weg in den Sequia Nationalpark gemacht und dort haben wir uns so ziemlich alles angeschaut, was man sich anschauen kann. Mit am besten war der Tunnel Log. Ein umgefallener Sequia, durch den ein Tunnel gesägt worden ist. So groß, dass ein Auto hindurchpasst.

Heute gab es eine kleine Bergeinheit von 5km in den Wäldern. Aber leider ist es noch immer nicht warm genug. 35°C reichen noch nicht. Morgen geht es in die Mojave Wüste. Hier gibt es dann das erste offizielle Hitzetraining in der Wüste. 10km sollen es werden und die ultimative Vorbereitung auf den Wettkampf. Mehr geht nicht.

Nach ca. 170km Autofahrt sind wir ins Bakersfield gegen 22:00 angekommen und haben uns um Mitternacht schlafen gelegt.

 

10. Juli 2012:

Der Tag war geprägt von der knapp 500km langen aber doch irgendwie kurzweiligen und abwechslungsreichen Reise nach Las Vegas - in die Stadt der Casinos.

Morgens haben wieder einmal nicht ausschlafen können. Wir hatten schließlich eine Menge vor. Zunächst stand der Flugzeugfriedhof in der Nähe von Mojave in der Mojave Wüste auf dem Programm, an dem wir aber nur vorbeifahren konnten. Auf den Flugzeugfriedhof selbst durfte man aus verständlichen Gründen nicht rauf. Der Flugplatz ist sonst noch in betrieb und kann sogar für Filmaufnahmen, wie beispielsweise für „Stirb        Langsam 2“ angemietet und genutzt werden.

Danach gibt es weiter in Richtung Barstow in die Geisterstadt Ghost Town Calicio. Eine wiederauferstandene Stadt aus der Cowboy– und Indianerzeit. Hier haben die Menschen früher in den Bergen nach Gold gesucht.. Der Wilde Westen lässt grüßen. Die 6 Dollar Eintritt haben sich überhaupt nicht gelohnt. Da waren die Dollars eher schon besser für das Cable Car angelegt gewesen. Wir sind dann noch kurz durch eine Mine gelaufen und hatten eigentlich noch gespannt das in allen Reiseführern angekündigte High Noon Revolverduell erwartet. Viel wohl aus wegen zu starker Hitze oder die hatten keine Platzpatronen mehr. Im allen und ganzen, wie schon geschrieben, hat es sich nicht gelohnt. Macht nichts. Eines war aber doch positiv. Das laufen durch die Stadt in der Hitze. Endlich gab es Temperaturen, an die man sich gewöhnen muss. Es war schon ordentlich warm 38° Grad Celsius.

 

10. Juli 2012:

Weiter ging es dann noch tiefer in die Mojave Wüste und zwar zu den Kelso Dünen. Diese lagen wirklich mittendrin. Beachtlich 200m hohe Sanddünen. Das spannende kam aber erst noch. Wie schon die Tage zuvor vorgenommen, wollte ich meine erste längere Trainingseinheit in der Wüste absolvieren: 10km.

Das hat auch schon wunderbar geklappt. Was für eine brütende Hitze. Ich hätte niemals gedacht, dass ein Wind so heiß sein kann. Ofentemperaturen. Alles was ich bisher über Badwater gelesen habe, habe ich für übertrieben gehalten. Nein es stimmt. Der Mund trocknet im nu aus. Die Haut wird trocken und spröde. Der Körper lechzt nach Feuchtigkeit, nach Wasser und nach Schatten. Aber da ist kein Schatten. Die Sonne steht im Zenit. Kleinere Sträucher stehen im Sand. Und da ist dann noch der kochend heiße Asphalt. Die Füße werden heiß in den Schuhen. Unglaublich. Man bekommt das Gefühl als würde die Sohle schmelzen. Ein irrsinniges Gefühl. Ich wusste ja, nach 10km ist Schluss. Aber die Vorstellungskraft reicht einfach noch nicht dazu aus, dass noch 40 Stunden und 207km länger auszuhalten. Irre. Aber wenn der Tag erst einmal kommt….

Nach 10km wartete dann schon das Supportteam auf mich und hatten mich in Empfang genommen. Ich hatte zwar geschwitzt. Aber die Wassermassen liefen mir erst dann am Körper runter, als ich im Auto saß. Ich hatte mich dann abgetrocknet und mich dann im kühlen Wagen nach Las Vegas fahren lassen. Mich ließ der Gedanke nicht los, wie man das bloß schaffen sollte. Hätte ich vielleicht doch die Trainingstipps von den anderen und teilweise ehemaligen Teilnehmern beherzigen sollen? Zu spät. Es gibt kein zurück mehr. Ich kann es eh nicht mehr ändern. Eines steht aber fest, wenn die Gesundheit meinerseits oder aber auch des Supportteams gefährdet wird, wird der Wettkampf unverzüglich unterbrochen. Das steht außer Frage.

Gegen 19:00 Uhr sind wir in Las Vegas eingetroffen und haben dann unmittelbar im Hotel Luxor eingecheckt. Wir ließen uns es nicht nehmen, uns die ersten Hotels anzuschauen und den ersten kleinen Bummel zu machen. Aber völlig übermüdet sind wir dann um Mitternacht ins Bett gefallen.

Wir hatten noch feststellen können, dass am heutigen Tag in Kelso geschlagene 47° Grad Celsius geherrscht haben. Na immerhin. In Badwater sollte es noch wärmer gewesen sein. Irre.

 

11. Juli 2012:

Was soll ich schreiben. Wir sind in Las Vegas. Casinos und Hotels wo man nur hinschaut und heute haben wir den kompletten Tag dazu genutzt, um den weltberühmten „Strip“ anzuschauen. Das haben wir auch in vollen Zügen genossen. Am Ende des Tages stand dann noch eine kleinere Trainingseinheit auf dem Programm, um nicht das Gefühl für die Wärme besser Hitze zu verlieren. Den Tag haben Tilly und ich dann bei einem Bier ausklingen lassen. Das muss sein. Der Spaß soll ja dabei nicht auf der Strecke bleiben.

Um 3 Uhr lagen wir dann im Bett. Die andere Hälfte des Supportteams hatte es nicht ganz so lange ausgehalten. Verständlicherweise.

 

12. Juli 2012:

Grand Canyon stand auf dem Programm. Ein Rundflug zu einem Aussichtspunkt am Grand Canyon. Dazu mussten wir heute um halb sechs schon wieder aufstehen. Siehe 11. Juli. Kann man sich vorstellen, dass man nicht gerade der fitteste heute morgen war. Aber es ging doch wiederum erstaunlicherweise sehr gut. Nach dem wir um halb sieben etwa 30 min immer hektischer werdend versucht haben, den Bus, der uns zum Flughafen bringen sollte, ausfindig zu machen, waren wir schon völlig fertig und meine ersten Trainingskilometer hätte ich dann auch schon absolviert. Aber der Bus kam dann endlich und hat uns dann sicher zum Flughafen gebracht. Der kleine Flughafen in Boulder City ist speziell dafür ausgelegt und scheinbar eigens auch nur dafür gedacht die Rundflüge in den Grand Canyon zu organisieren. Klein aber fein. Der Flug ging dann gegen 08:30 Uhr los und gelandet sind wir dann gegen 09:00 Uhr. Wir hatten dann insgesamt drei Stunden Zeit vor Ort für den Ausflug. Zuerst ging es auf den berühmten Skywalk und dann noch weiter zum Guano Point. Genial, was die Natur bewerkstelligen kann. Fantastisch.

 

Um ca. 13:00 Uhr sind wir dann wieder mit dem Flieger nach Boulder City geflogen. Nachmittags haben wir uns dann ein wenig ausgeruht und zusätzlich bin ich dann noch mit Tilly die obligatorischen Trainingskilometer gelaufen. Muss sein.

Gegen 16:45 Uhr ging es dann in die Las Vegas Premium Outlets nördlich von Las Vegas. Ein Paradies für Frauen. Eine riesige Shopping Mall. Der Fremont Strip durfte dann natürlich nicht fehlen. Den haben wir dann gleich noch mitgemacht. Gegen 22:30 Uhr waren wir dann im Hotel zurück und sind dann auch bald schlafen gegangen.

 

13. Juli 2012:

Drei Tage noch bis zum Start. Die Aufregung steigt allmählich und langsam gibt es auch kein zurück mehr. Die nächsten Vorbereitungen werden getroffen. Bevor wir uns heute an den Großeinkauf gemacht haben, haben wir zunächst einen kleinen Ausflug an den Hover Damm gemacht. Ein beeindruckendes Bauwerk mit beachtlichen Ausmaßen. Tilly und ich haben eine kleine Trainingsrunde eingelegt und sind einmal auf dem Hover Damm und dann noch auf der Hover Dam Bridge gelaufen. Vermutlich einer der wenigen Menschen, die überhaupt bei dem schwülwarmen Wetter jemals über den Damm gelaufen sind. Heute morgen hatte es das erste Mal für uns auf der Reise und für Las Vegas sogar das erste Mal seit Monaten hier geregnet. Nahezu ein Wolkenbruch kam herunter. Das Naturschauspiel ereignete sich auch noch Nachmittags. Aber Gott sei Dank saßen wir zu diesem Zeitpunkt im Auto. Nach dem Hover Damm Besuch haben wir meine am Abend vorher gemachte Einkaufsliste abgearbeitet: 

                                                          

Wenigstens ein paar Gedanken konnte ich mir machen. Die Hälfte wurde jedoch schon wieder während des Einkaufs umgestellt. Entweder andere Mengen oder ganz andere Dinge. Wenn ich aber von anderen Mengen schreibe, dann meine ich, dass ich wieder viel zu viel eingekauft habe:

        

Vermutlich wird die Verpflegung für drei bis vier Wochen reichen. Aber sicher ist sicher. Lieber zu viel als zu wenig und dann später während der Veranstaltung Stress haben.

Die andere Ausrüstung, wie Blinklichter, Stirnlampen, Sicherheitswesten, usw. befand sich bereits im Koffer. Das wichtiges an Ausrüstung, auf die ich mich verlassen kann, hatte ich vorsichtshalber schon in Wedel eingepackt.

Also kurz um: Die anderthalb Stunden im Walmart in Las Vegas haben mich dann am Ende 260 Dollar gekostet. Nicht schlecht, dachte ich am Ende. Aber wie gesagt, lieber zu viel als zu wenig.

Die Sachen haben wir das professionell im Auto verpackt:

                           

Wir müssen, glaube ich noch viel lernen. Aber das Supportteam hat ja während der 217km genügend Zeit sich Gedanken zu machen, wie es optimaler zu verpacken geht. Danach ging es dann ab nach Hause in unser Hotel Luxor. Geschafft. Angela und Norbert haben uns dann heute Abend noch auf einen Sub (bei Subway) eingeladen. Wie Norbert dann später erzählte, war es Ihr Jubiläum zum 25. 25 Jahre sind Angela und Norbert zusammen. Hier noch einmal von meiner Seite Herzlichen Glückwunsch.

Tilly haben wir heute zum Support Teamlead einstimmig gewählt. Tilly konnte sich nicht gegen die Wahl wehren und hat sie dann auch angenommen. Der Support Teamlead ist zum einen der zentrale Ansprechpartner im Supportteam für den Läufer und nimmt auch an den entsprechenden Veranstaltungen am Sonntag teil.

Am Abend habe ich dann noch die Reiseroute und Kilometer für die nächsten Tage ausgerechnet: und anschließend noch mit Tilly ein Bier trinken gegangen: 

                  

                                        

 

14. Juli 2012:

Heute waren wir im Death Valley. Wir sind schon früh in Las Vegas gestartet, um möglichst viel vom Tag zu haben und um auch nicht zu spät im Hotel in Pahrump anzukommen. Gestartet sind wir um 7:30 Uhr pünktlich im Hotel Luxor. Das war eine schöne Zeit. Wir haben die Nächte dort wirklich genossen. Was für ein Komfort, wenn man bedenkt, was wir teilweise für schlechte Zimmer erwischt haben. Gegen ).15 waren wir in Pahrump ca. 60 Meilen vor dem Death Valley zum Tanken. Je näher wir dem Tal kommen, desto mehr stellt sich das Kribbeln in mir ein. Ich werde langsam nervöser und nervöser. Habe ich an alles gedacht? Habe ich genügend zu trinken. Habe ich genügend zu essen? Aber ich habe ein wirklich engagiertes und tolles Supportteam. Mit Angela, Norbert und Tilly habe ich wirklich Glück gehabt. Auch wenn bisher noch nicht viel zu tun war, machen sie Ihre Sachen wunderbar.

Nach dem Tanken ging es dann in Richtung Death Valley. Wahnsinn. Die Temperaturen klettern allmählich und je näher wir dem tiefsten Punkt der USA kamen, desto mehr wurde mir bewusster: Es gibt kein zurück mehr.

Bei Badwater (85,5 Meter unter dem Meeresspiegel) angekommen, war ich dann doch aber enttäuscht. Wir hatten gerade einmal 35° Celsius. Viel zu kalt dachte ich. Aber bis Montag sind es ja noch zwei Tage und die Temperaturen dürfen dann ruhig noch etwas klettern. Es muss mindestens so warm werden wie in der Mojave Wüste bei meinem 10km Trainingslauf.

Ich wollte mir es dann doch aber nicht nehmen lassen und meine letzten kleinen Trainingseinheiten vor dem Lauf schon im Death Valley zu absolvieren. Ich wollte noch einmal nahezu ähnliche Trainingsbedingungen habe, bevor es los geht. Herrlich und langsam kann ich mich auch immer mehr darüber freuen. Wir hatten dann noch weitere Anlaufpunkte wie:

· Artist Drive

· Furnace Creek Inn and Furnace Creek Ranch

· Zabriskie Point

· Dantes View (1669m)

 

Danach ging es dann wieder zurück nach Pahrump zum Tanken und zum letzten Einkauf bei Walmart. Zum Abendessen haben wir dann einen Sub bei Subway vertilgt.

 

14. Juli 2012:

Wir dachten bevor es morgen zu stressig mit und nach dem Briefing wird, packen wir den Wagen schon einmal grob vor rund ich packe und bereite meine Sachen schon mal für den Montag vor.

Neben der Kleidung, wie Wechselshirt und –hose habe ich auch noch folgende Dinge bereit gelegt:

· vier  Reflektorwesten

· 8 Blinklichter

· 3 Stirnlampen

· unzählige Formulare (10 Stück)

· Eintrittskarte für den Park

· 4 Dollar (1 Dollar pro Person) im Briefumschlag als Spende

· Jede Menge Ausrüstung, wie Teller, Messer, Ersatzbatterien, Becher, Flagge, Startnummernband, Erste Hilfe Kit, Tape, Massagegel, Nahrungsergänzungsmittel, usw. usw.

Im Gegensatz zum Arctic Ultra im Yukon, den Tilly und ich noch vorhaben, ist das ein Witz dagegen. Also die Ausrüstung ist noch wirklich überschaubar.

Mit einem leichten Kribbeln gehe ich heute ins Bett. Um Mitternacht ist Schluss.

 

15. Juli 2012:

Ein Tag vor dem Wettkampf. Die Aufregung ist auf dem Höhepunkt. Morgen geht es schon los. Wir werden heute früh ins Bett gehen und morgen gegen 5:45 Uhr aufstehen. Heute haben wir die letzten Vorbereitungen getroffen. Das Auto mit den Schildern beklebt, das Briefing gehört, die Startnummer abgeholt, die Supporttipps entgegen genommen und das Gruppenfoto gemacht.

        

Was kann jetzt noch schief gehen?

Die Wettervorhersage für morgen sieht gut aus: kühl.

Es könnte wesentlich heißer sein. Aber mit 43-47° Celsius hatte ich eigentlich gerechnet.

Heute werde ich nur noch mit meiner Maus Silke telefonieren und dann in die Nacht eintauchen. Die nächsten Tage werden noch anstrengend genug.

 

16. Juli 2012:

Der Starttag. Der Wettkampf soll der Lauf meines Lebens werden. Um 5:00 Uhr morgens bin ich schon aufgestanden. Die Nacht war relativ ruhig für mich. Ungewöhnlich. Normalerweise schlafe ich kaum. Habe ein ständiges Unwohlsein und immer einen nervösen Magen. Die Nacht konnte ich aber ganz gut schlafen. Ist das die Ruhe vor dem Sturm.

Die letzten Vorbereitungen habe ich getroffen. Die Sachen, die ich direkt zum Start benötigt habe, hatte ich bereits den Abend zuvor zurecht gelegt. Jetzt fehlte nur noch die Vorbereitung des Trinkrucksackes und das einpacken der letzten Dinge, die noch ins Auto mussten. Die Einweisung in das Team bzgl. der Ausrüstung und das, was ich eventuell während des Laufes benötige, habe ich bereits den Abend vorher gemacht. Wo finden sie was, wie wird was benutzt. Dazu gehören profane Dinge wie Rettungsdecke, Erste Hilfe Ausrüstung, etc. War auch gut so, damit wir ein gemeinsames Verständnis der Dinge haben. Andere Teams, wie ich zuvor in einigen selbstzusammengestellten Videos gesehen habe, waren auch hier wesentlich besser vorbereitet. Aber gemäß dem Motto „Low Budget“ aber dabei trotzdem nicht zu verdursten und zu verhungern, sollte das Motto des Laufes werden. Wichtig war mir auch noch einmal Angela, Norbert und Tilly zu sagen, dass egal, was passiert, die Gesundheit vorgeht und das wir bei Gefahr im Verzuge sofort das Rennen abbrechen. Das gilt für mich und genauso für das Team.

 

 

Also um 8:00 Uhr ist der Start. Um rechtzeitig vor Ort zu sein, mussten wir schon um 7:00 Uhr losfahren. Von unserem Hotel Furnace Creek Ranch waren es ca. 17 Meilen. Auf dem Weg dorthin sind uns die ersten Läufer, die bereits um 6:00 Uhr gestartet sind, entgegen gekommen. Die ersten waren schon auf dem Weg. Wahnsinn. Was für ein Tempo. Ich kann nur vermuten, dass sie der brütenden Hitze davon laufen wollen und bis die Sonne am Vormittag die Wüste aufheizt, soweit wie möglich kommen wollten.

Am Start bei Badwater angekommen, waren erst einmal Gruppenfotos angesagt. Eines vor dem berühmt berüchtigten Badwater Schild und dann eines direkt an der Startlinie. Die Aufregung steigerte sich immer weiter. Die Luft wurde immer wärmer. Hatte ich alles dabei? War ich richtig vorbereitet? 1000 Fragen. 1000 Gedanken. Aber es wird schon alles klappen.

Der Startschuss. Der Lauf beginnt. Alles vergessen. Jetzt heißt es nur noch laufen. Laufen. Laufen. Konzentration auf die Strecke. Keinen Fehler machen.

Ich war erstaunt. Die Beine waren wesentlich lockerer als bei den Trainingsläufen in den vergangenen Wochen davor. Auch mein Oberschenkel hatte sich wieder gut erholt und war locker. Adrenalin. Ich glaube ich war voll davon. Glückhormone im ganzen Körper. Wenn das so die zwei Tage anhält, schaffe ich es. Auch die Temperaturen waren angenehm. Aber es war ja auch erst 8:00 Uhr. Es sollte noch heißer werden und stürmischer.

Wie kann man Hitze in Worte fassen? Wir haben ein Spiegelei auf der Motorhaube gebraten. Auf dem Asphalt geht es noch wesentlich schneller, weil der die Hitze noch länger hält. Der Wind. Nein, nahezu Sturm eine Hitze. Schalte eine Föhn ein. Schalte auf 1000 Watt und halte ihn aus einen Meter Entfernung vor Dein Gesicht, dann weißt Du was ich meine. Nur den Föhn kannst Du abstellen. Der Wind pfiff mir stundenlang ins Gesicht.

Die ersten Stunden waren super. Das Supportteam hat mich ständig gekühlt und mit Flüssigkeit versorgt. Während des gesamten Rennens habe ich ca. 40 Liter Flüssigkeit in Form von Wasser, Gatorate, Fruchtpunsch, Cola, etc. zu mir genommen. Das entspricht ca. 1 Liter pro Stunde. Nur reichen die Mineralien in der Flüssigkeit nicht aus, um den hohen Schweißverlust zu kompensieren. Dazu müssen weiter Nahrungsergänzungsmittel wie Salztabletten und Elektrolyte eingenommen werden. Mit dem Supportteam habe ich vereinbart mir, auch wenn ich die Annahme verweigere, definitiv mindestens eine Salztablette, auf Verlangen ggfs. auch zwei, und alle zwei Stunden eine Extraportion Elektrolyte zu verabreichen. Das ist unheimlich wichtig, damit der Mineralienhaushalt ausgeglichen ist. Das war das wichtigste für mich.

Neben Mineralien spielen natürlich auch die Kohlenhydrate für die Energiezuvor eine große Rolle. Nur damit habe ich, wie bei vielen anderen Läufen, ein großen Problem. Ich kann kaum etwas essen während des Rennens. Ich versuche, einen Müsliriegel oder eine Banane zu essen, aber das fällt mir unheimlich schwer und meistens geht dieses auch nicht lange gut. Entweder endet dieses dann mit einem Erbrechen oder einem Gang zur Toilette. Allenfalls kann ich nur kleine Happen essen oder Energie in Form von Gels oder Flüssigkeit zu mir nehmen. Ich hatte am Anfang wieder probiert etwas zu essen. Aber leider ist das mir nicht besonders gut bekommen. Ab ca. der 72sten Meile habe ich dann wirklich nur noch kleine Happen bis gar nichts mehr gegessen. Was natürlich dann auch Auswirkung auf die Leistungen hatte. Dazu aber später mehr.

Nach 2:38h waren die ersten 17 Meilen (ca. 27km) geschafft: Furnace Creek. Meine Beine waren super locker. Ich war super drauf. Hoch motiviert und einfach nur voll mit Adrenalin. In Furnace Creek habe ich dann noch den Gesundheitscheck mitgemacht.

 

                                   

 

Bei der Anmeldung zum Badwater ist jeder Teilnehmer gefragt worden, ob er an einer medizinischen Studie der Universität zu Vermont teilnehmen möchte. So etwas finde ich immer interessant und hatte mich spontan angemeldet. Es wurden das Köpergewicht, Blutdruck, Fettgehalt, Wassergehalt, Puls, Temperatur auf der Haut und im Körper und ein paar andere Dinge gemessen. Dafür musste ich am Beginn des Rennens eine Pille schlucken, die dann die Daten aus dem inneren meines Körpers an einen Empfänger gesendet habe, den ich auf der Brust getragen habe. Dieser wurde dann bei jeder Station ausgetauscht und die Daten aufgenommen. Dazu wurde ich dann noch einmal gewogen. Die Studie war dazu da, um festzustellen, welche Auswirkungen Extrembelastungen in Extremsituationen auf den menschlichen Organismus haben. Möchte ich das eigentlich wissen? Nö. Lieber nicht. Aber die Werte, wie die innere Körpertemperatur waren schon interessant. Schon beim ersten Check stieg meine Körpertemperatur auf 40° Celsius. Die, die Studie machten, sagten zuvor, wenn sie eine Körpertemperatur von 41° Celsius bei einem der Testpersonen feststellen sollten, werden sie der Rennleitung empfehlen, den Läufer aus dem Rennen zu nehmen. Das bedeutete für mich, es musste stärker und noch mehr während des Rennens gekühlt werden. Denn eines wollte ich nicht: Das Rennen abbrechen. Und dann noch wegen einer Studie, die ich freiwillig mitmache. Also her mit dem Kühlwasser.

Gekühlt wurde während des Rennens mit einer Wasserzerstäuber, wie man sie auch für Blumen verwendet. Diese wurde ständig mit dem Eiswasser aufgefüllt. Diese habe ich dann an den einzelnen Stopps entgegengenommen und mich dann damit nassgespritzt. Ca. einen halben Liter pro Stopp. Und wir hatten während des gesamten Rennens ca. 130-150 Stopps. Wobei ich in der Nacht nicht gekühlt werden musste, da diese doch recht kühl auf dem Weg zum Pass war.

 

                                          

 

16. Juli 2012:

Zurück zur Meile 17. Das Feld zog sich jetzt mittlerweile ein wenig mehr auseinander und auf dem Weg zum nächsten Checkpoint: Stovepipe Wells. 42 Meilen (ca. 67km). Die Strecke war recht flach, Temperaturen human aber Wind stärker zunehmend. Nach 7:04h habe ich dann den Checkpoint erreicht. Zwischendurch habe ich schon die ersten Läufer aus der 6:00 Uhr Startgruppe überholt und war sogar bis dahin auf die vorderen Plätze meiner Startgruppe gelaufen. Es lief super. Ich fragte mich, wann mich denn die ersten Läufer aus der 10:00 Uhr Gruppe überholen.

Das Startfeld wurde in drei Wellen eingeteilt. Die Starter in der 6:00 Uhr Gruppe waren die langsameren Läufer, die in der 8:00 Uhr Gruppe die schnelleren und die in der 10:00 Uhr Gruppe waren die Cracks.

In Stovepipe Wells habe ich dann versucht ein wenig zu essen und die erste größer Pause von 15min zu machen. Bis nach Stovepipe Wells bin ich durchgelaufen.

Dann ging es weiter. Im wahrsten Sinne des Wortes. Starker Gegenwird machte das Laufen fast unmöglich. Ein Bild, was ich dabei empfunden habe, habe ich oben schon beschrieben. Nehme den Föhn.

Es ging permanent bergauf. Nur bergauf. Gegenwind. Mehr oder weniger im Tal tobte sogar ein Sandsturm, der uns Läufer aber Gott sein Dank nicht erreichte. Der nächste Checkpoint sollte erst wieder bei der 72sten Meile (ca. 115km) sein. Bergauf. Bergauf. Ein wichtiges Ziel war dann der Townes Pass auf ca. 1.600 Meter Höhe. Wenn man bedenkt, dass wir mit 86m unter dem Meeresspiegel gestartet sind und bis Stovepipe Wells nur flach gelaufen sind, dann kann man sich ausmalen, welchen Höhenunterschied man dann bewältigen musste.

Auf dem Weg zum Pass begann bereits die Nacht. Für den Lauf bedeutete dass, dass zwischen 19:00 Uhr abends und 6:00 Uhr morgens in alle Richtungen reflektierende Warnwesten und zwei Blinklichter jeweils vorn und hinten getragen werden mussten. Das galt für die Läufer und gleichermaßen auch für das Supportteam. Das Team übergab mir pünktlich und perfekt vorbereitet um 19:00 Uhr die Warnweste und die Blinklichter. Super. Ich musste nicht lange anhalten. Ich konnte gleich weiter.

                                           

Endlich auf dem Pass angekommen. Ging es ca. 12 Meilen (ca. 19km) nur bergab und dann Richtung Panamint Springs noch einmal ca. 3 Meilen (ca. 5km) bergauf. Es war später Abend und sehr kalt. Der Weg zum Pass war sehr demotivierend und sehr kräfteraubend. Erste Zweifel kamen auf. Wozu mache ich das hier alles? Jeder Läufer stellt sich die Frage mindestens einmal im Rennen. Man denkt aber nicht lange nach. Weiter. Es muss weiter gehen. Ankommen. Noch genügend Zeit? Ja. Ich liege super in der Zeit. Ich kann mich nicht beschweren.

Ich konnte in Panamint Springs ein wenig länger Pause machen und mich erholen. Ich hatte versucht, etwas zu essen, was im Nachgang aber nicht besonders gut war. Ich fühlte mich sehr schlapp. Ich wusste, ich brauche Energie. Aber wie bekomme ich die in meinen Körper, wenn ich nichts essen kann? Ich versuche, das beste daraus zu machen. Erst einmal weiter. Nach 45 Minuten Pause. Lief ich weiter. Das Supportteam immer noch perfekt drauf und immer noch nicht müde. Was würde ich bloß ohne sie machen? Unmöglich. Einen solchen Lauf kann nur mit einem Supportteam gemacht werden. Würden wie bei jedem anderen Laug, Verpflegungsstellen aufgebaut werden, müssten wirklich mindestens bei jedem Kilometer einer stehen. Das wären über 200 Verpflegungsstände. Unmöglich.

Ich kann nur sagen. Ich hatte das beste Supportteam der ganzen Welt.

 

17. Juli 2012:

In der Nacht ging es dann von Panamint Springs auf den nächsten Pass. Panamint Pass auf ca. 1.700m Höhe. Wieder Berge. Wahnsinn. Die Nacht war im wesentlichen durch den steilen Anstieg und durch lange Speed Walking geprägt. Es ging einfach nicht mehr zu laufen. Das Essen blieb gerade mal im Magen. Ich wusste, jedes weitere Essen wird mir immer schwerer fallen. Aber ich musste Energie aufnehmen.

Tilly und ich beschlossen auf dem Weg zum nächsten Pass zusammenzulaufen und Angela und Nobert sich ein wenig ausruhen und schlafen zu lassen. Während der Nacht musste ich nicht so intensiv supportet werden. Es war angenehm kühl und erfrischend. Außerdem war dann Tilly dabei, der dann alle wichtigen Dinge für 10 Meilen (ca. 16km) in meinem Rucksack mitgeführt hatte.

Nach aber nur fünf Meilen (ca. 8km) überkam mich aber eine Müdigkeit. Ich musste mich auch ein wenig hinlegen. Ansonsten wäre ich vermutlich im Laufen eingeschlafen. Also ab ins Auto und mich dann zusammen mit meinen Supportern ein wenig schlafen gelegt. Nach 30 Minuten war ich wieder fit. Und ab ging es wieder auf die Strecke. Angela und Norbert haben noch ein wenig weitergeschlafen.

Auf dem Pass angekommen war der nächste Checkpoint. Geschafft. Jetzt nur noch bergab. Klasse dachte ich. Wäre da nur nicht meine Füße. Kniee, Rücken, Oberschenkel und Waden. Alles in Ordnung. Nur ich hatte mir durch einen Schuhwechsel Blasen gelaufen. Super. Nun laufe ich schon so lange. Aber trotzdem vergisst man das wichtigste. Was soll‘s. Es ist eh zu spät. Nach einer notdürftigen schnellen Behandlung, in dem ich die Blasen aufgestochen haben und die Blasen mit einem Blasenpflaster versorgt habe, habe ich mich dann wieder auf die Strecke gemacht zum nächsten Checkpoint. Zwischen Panamint Springs und Darwin lagen nur 18 Meilen (ca. 29km). Von Darwin nach Lone Pine waren es dann noch 32 Meilen (ca.52km). Insgesamt habe ich dann bis Lone Pine die 195km in 30:29h zurückgelegt.

Da denke ich, hat man das gröbste geschafft. Nein. Als Tilly mir erzählte, was mich die letzten 11 Meilen (ca. 18km) erwartete, dachte ich fast ans aufgeben. 1.700 Höhenmeter waren noch zu bewältigen. Anfangs die Hitze und der starke Wind. Nachts die Kälte und die Berge. Zum Schluss dann Berge und Hitze. 195km gelaufen und dann noch ein solcher Berg. Insgesamt habe ich für den Anstieg 3! Stunden gebraucht. Für die letzten 3,8 Meilen (ca. 6km) dann noch einmal 1,5 Stunden. In der Nachbetrachtung der Ergebnislisten war das sogar gar nicht mal so schlecht. Der schnellste Läufer hatte für das letzte Teilstück auch noch knapp über eine Stunde benötigt.

Aber nach 34:51:26h, nach 135 Meilen, nach 217 Kilometern, nach mehr als 4.000 Höhenmetern, nach Hitzeschlachten, und Gegenwinden, nach knapp 2% Körperfettverlust (von 6,7 auf 4,8%) und nach 40 Litern Flüssigkeit bin ich überglücklich ins Ziel gelaufen. Zusammen mit MEINER Supportmannschaft, des weltbesten Supportteams, ohne die ich niemals in der Lage gewesen wäre, diese Leistung zu absolvieren. DANKE an das Team.

Sorry, Angela ist leider nicht mit ganz im Bild.

Von links nach rechts:

Norbert - Fahrer. Zuständig für die Streckenführung, das Supportfahrzeug und die Supportstopps. Hat es zu jedem Zeitpunkt in Schuss gehalten. Unermüdlich am Steuer festgehalten und das Lenkrad nicht aus der Hand gegeben.

Jörg - Läufer. Bin ein bisschen gelaufen.

Tilly - Verpfleger. Zuständig für die Verpflegung und Kühlung. Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich nur die Hälfte getrunken und gegessen. Er hat mich ständig ermahnt und erinnert.

Angela - Dokumentation. Zuständig für die Vorbereitung der Verpflegung und Kühlung. Machte unvergessliche Fotos und dokumentierte für die Studie meine Nahrungsaufnahme (stand am Ende ja nicht mehr viel drauf), meine Flüssigkeitsaufnahme und mein Wohlbefinden.

DANKE AN EUCH.

 

 

 

Das war Badwater 2012. Einen Lauf mehr. Eine Erfahrung mehr. Toll. Unglaublich. Wahnsinn. Nach der Ergebnisauswertung war ich der zweitschnellste aus Europa. Der schnellste aus Deutschland. Mit einem 33. Platz von 96 Teilnehmern kann ich im Nachgang mit dem Ergebnis zufrieden sein.

Jetzt fängt erst einmal die Regenerationsphase an. Die Statistikläufe helfen mir dabei. Gute Nacht.

 

18. Juli 2012:

Aua. Nein nicht die Beine. Meine Füße. Wäre ich nicht so schlapp gewesen am Abend vorher noch meine Füße zu bearbeiten, dann hätte ich es heute wesentlich einfacher gehabt. Verdammt. Abends spätestens muss ich da aber ran. Was soll‘s. Wann bin ich denn mal wieder in Los Angeles. Wir sind gestern noch relativ unmittelbar nach dem Zieleinlauf in Richtung Los Angeles gefahren. Hatten dann aber auf halber Strecke in Mojave übernachtet. Das wurde aber auch höchste Zeit. Schließlich hatten wir alle so gut wie keinen Schlaf in der Nacht zuvor.

In Los Angeles angekommen, haben wir dann den Hollywood Boulevard besichtigt mit dem berühmten Walk of Fame, haben eine Stadtrundfahrt gemacht und uns dabei die Villen der Stars angeschaut.

Abends sind wir dann todmüde ins Bett gefallen. Aber vorher habe ich noch meine Füße bearbeitet. Am nächsten Tag sollte sich die Mühe auch auszahlen.

 

19. Juli 2012:

2 Tage noch dann sehe ich meine Maus endlich wieder. Ich vermisse sie schon. Auf der einen Seite hätte ich mir natürlich gewünscht, dass sie die gesamte Zeit an meiner Seite gewesen wäre, aber auf der anderen Seite bin ich auch froh, dass ich ihr die Strapazen ersparen konnte.

Heute morgen sind wir um 8:00 Uhr aufgestanden und um 9:00 Uhr zum Venice Beach, an dem die Muskel bepackten Männer herumlaufen, gefahren. Danach Santa Monica und Malibu. Die Regenerationsrunde durfte am Abend natürlich nicht fehlen. Tilly war dabei.

 

20. Juli 2012:

Der letzte volle Tag in Los Angeles, dann haben wir es geschafft. Wir haben heute noch einmal die Gelegenheit genutzt, um uns Los Angeles Downtown anzuschauen und noch ein wenig shoppen zu gehen. Das darf natürlich nicht fehlen, wenn wir schon ein mal in den USA sind. Am Abend haben dann Tilly und ich den Wagen abgegeben und sind dann vom Flughafen die knapp 3 Kilometer zurück zum Motel gelaufen. Die letzten Vorbereitungen für die Abreise getroffen. Koffer gepackt und dann schlafen gegangen. Am nächsten Morgen sollte es ja früh rausgehen.

 

21. Juli 2012:

Der komplette Tag ist Reisetag. Gestartet in Los Angeles um 7:30 Uhr. Über Charlotte nach Frankfurt geflogen.

 

22. Juli 2012:

Ankunft in Frankfurt am Main. Geschafft. Meine Maus wartet bereits sehnsüchtig am Flughafen. Ich habe mich wahnsinnig gefreut, sie wiederzusehen.

 

 

Das war Badwater 2012.

Eine wahnsinnig tolle Erfahrung. Aber ohne meine Maus würde ich eine so lange Reise nicht mehr unternehmen. Ausgenommen Yukon Arctic Ultra. :-)